Seminarreihe zur Vergebungsarbeit


Hannah Ahrendt : „Vergebung ist ein Akt der Freiheit“.

 

Zu vergeben bedeuted eine Arbeit an erlittenen Beziehungsverletzungen mit dem Ziel der Heilung und der „Entgiftung des Herzens“. Diese  verinnerlichten Beziehungsverletzungen (Introjekte) können  auch sehr lange nach den tatsächlich erlittenen Verletzungen in uns selbst weiter wirken. Zum einen richten sich die Introjekte gegen uns selbst, indem man sich selbst so behandelt, wie man vom Täter behandelt wurde. Zum anderen durch Projektion auf andere Personen, denen dann Eigenschaften des ursprünglichen Täters zugeschrieben werden oder man sieht sich durch andere Menschen entsprechend behandelt.

 

Wir sind alle Teil einer „beziehungskranken Welt“, in der bewusste und unbewusste Verletzungen anderer Menschen häufig Bestandteil des „miteinander Umgehens“ sind.

 

Im Vergebungsprozess ist es möglich sich von „der  Last der Nichtvergebung“ zu befreien und eigene quälende Gefühle der Bitterkeit, der Verletzung, der Wut  zu verwandeln.

 

Vergeben ist dabei unabhängig von der Zustimmung des Täters, während Versöhnung eine beidseitige Zustimmung erfordert.

 

Indikation

 

Häufigste Vergebungsthemen sind erlittene Beziehungsverletzungen durch Eltern, Ehepartner sowie berufliche Vorgesetzte. Jede Art der Gewaltanwendung, „Beziehungsgewalt“ oder auch äußere Gewalt, Terror, kann Gegenstand der Vergebungsarbeit sein.

 

Hinweise, dass eine Vergebungsarbeit angebracht wäre, sind anklagendes Verhalten,

anhaltend negative Gefühle gegenüber einer Person, intensives Erleben belastender Gefühle (gerade auch bei lange zurückliegenden Verletzungen), Verbitterung gegenüber einer Person.

 

Der Wunsch zu vergeben reicht aus, um die Arbeit zu beginnen. Um ein Umerleben der Gefühle und eine wirkliche innere Vergebung zu erreichen bedarf es aber eines tiefschürfenden inneren Prozesses.

 

Der Vergebungsprozess

 

Psychologische Voraussetzung zum Durchlaufen des Prozesses ist die Auseinandersetzung mit den erlittenen Verletzungen (mitten durch die Wunde zu gehen) sowie  ein empathischer Blickwechsel  um die Tat mit den „Augen des Täters“ sehen zu können.

 

Der vollständige Vergebungs- und Versöhnungsprozess besteht aus 7 Stufen:

 

  1. Bestimmung der traumatischen Schlüsselszene
  2. Heilung der Ich-Beziehung – Reinigung des Herzens                                                                                                                                                                                               Ausdruck der erlittenen Verletzung dem Täter gegenüber.                                                                                                                                                                                Betonung des Rechtes auf das Inanspruchnehemen der eigenen Grundbedürfnisse.
  3. Heilung der Du-Beziehung                                                                                                                                                                                                    Empathischer Blickwechsel in die Sichtweise des Täters und die Bedeutung der Tat für ihn.
  4. Heilung der Beziehung zum Ewigen Du                                                                                                                                                                                     Als Mittel zum „Schauen des Herzens“ dienen vier Briefe, die aus der Sichtweise                                                                                                             und in Identifikation mit dem Täter an sich selbst geschrieben werden.
  5. Die Vergebungszeremonie
  6. Aufrechterhaltung der Vergebung                                                                                                                                                                                                                                     Vergeben bedeutet nicht Vergessen und bedarf auch nach dem durchgeführten                                                                                                           Vergebungsprozess der weiteren Pflege.
  7. Versöhnung                                                                                                                                                                                                                                                                                            Hierzu sind der innerseelische Veränderungsprozess des Opfers als auch                                                                                                                                                          das wirkliche Einverständnis des Täters Vorraussetzung.

Im Durchschreiten des Prozesses wird bei jeder Stufe der Wunsch zu vergeben überprüft.

 

Wenn kein wirkliches inneres Einverständnis vorliegt, kann der Prozess modifiziert

oder abgebrochen werden. Echte Vergebung ist nichts, was erzwungen werden kann und bedarf der richtigen Zeit. Eine ehrliche Entscheidung zur Nichtvergebung ist aufrichtiger  und im Endeffekt weiterführender als eine vorschnelle Vergebung. Zur Entlastung des Opfers können dann psychotherapeutische Techniken wie z.B. Rückgabe der Verantwortung an den Täter eingesetzt werden.

 

Gegenindikationen

 

Bei Menschen mit einer schweren Traumatisierung besteht die Gefahr der Retraumatisierung. Sie bedürfen einer guten psychotherapeutischen Traumabehandlung als Vorraussetzung. Vergebung kann auch aufgrund der Schwere der Gewalt nicht möglich sein. An Bedingungen geknüpfte Teilvergebungen oder zur Aufrechterhaltung von Beziehungen instrumentalisierte Vergebungen entsprechen nicht einer wirklichen, bedingungslosen Vergebung.

 

Empfohlene Literatur: Die heilende Kraft der Vergebung, Konrad Stauss, Kösel Verlag.


Vergeb. u. Versöhn.

27. März 2021, 09:00 -

28. März 2021, 18:00

08. Mai  2021,  09:00 -

09. Mai  2021,  18:00

31. Juli   2021,  09:00 -

01. Aug. 2021, 18:00

Seminarreihe zur Vergebungsarbeit

Umfang: 45 h

Seminargebühr: 810,00 €

Ort: Pappenheimerstr. 2, 87730 Bad Grönenbach

 Fortbildungspunkte sind beantragt

 



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