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Unser Lehrkonzept  

Unserem Konzept liegen das Anliegen und die Bereitschaft zu Grunde, Theorie und Praxis miteinander in engen Bezug zu setzen. Neben den tiefenpsychologischen Schulen werden auch die Kenntnisse und Ergebnisse der humanistischen Psychotherapie und der Verhaltenstherapie integrativ mit einbezogen und Fragen der transpersonalen Psychologie aufgegriffen.

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie hat ihre Wurzeln in der Psychoanalyse. Sie hat sich zu einer eigenständigen Psychotherapieform entwickelt, die auf dem Hintergrund der Psychoanalyse erfahrungsorientierte Methoden der humanistischen Psychotherapie integriert (vgl. Eva Jaeggi, Luise Reddemann, Gerd Rudolf).

Inzwischen gilt sie als erfolgreich etabliertes Verfahren, denn sie ist die am häufigsten verwendete ambulante psychotherapeutische Methode in Deutschland.

Neben der rein fachlichen Ausbildung liegt uns auch die Identitätsbildung unserer Ausbildungsteilnehmer als tiefenpsychologische Psychotherapeuten am Herzen. Die Ausbildung zum/r Psychotherapeuten/in soll Freude bereiten und genügend Raum bieten eigenen Schwerpunkten nachzugehen.

Ein fester Kern von Teilnehmerinnen und Teilnehmern in einer halboffenen, fortlaufenden Gruppe soll Kontinuität, Gruppenzugehörigkeit und Interaktion fördern. Durch gegenseitige Anregung soll der Raum zum persönlichen Wachstum eröffnet werden. Denn Selbsterfahrung stellt unserer Meinung nach den wesentlichsten Teil einer Psychotherapieausbildung dar.

Durch ständige Evaluation unserer Seminare möchten wir die Qualität einer lernenden Organisation fördern.

Wir wollen den Wunsch zum Lernen durch eine fehlerfreundliche Lehratmosphäre wecken. Neurodidaktische Prinzipien spielen in unserem Lehrkonzept eine entscheidende Rolle. Lernen heißt für uns: Lernen über Erfahren, Lernen über Üben und Zusehen.

Deshalb baut unser Curriculum auf folgenden Arbeitsmethoden auf: 

    1. Selbsterfahrung in geschlossenen Gruppen und
        Selbsterfahrungselemente in allen Seminaren

    2. Arbeiten in kleinen Gruppen und mit Rollenspielen (Ăśben,
        Erfahren, Zusehen, Modellernen) in den Seminaren

    3. Selbstständiges Arbeiten (learning by doing in § 2 und § 4)

    4. Theorievermittlung nach neurodidaktischen Erkenntnissen

    5. Selbständiges Studium der Fachliteratur auch mit Peergroups
        (wenn Sie an 40 Wochen im Jahr 5 Seiten an jedem Werktag                   lesen, macht das 5.000 Seiten nach 5 Jahren)

 
Was ist eine gute Therapeutin / ein guter Therapeut?

Sich selbst zu kennen und ein tiefes Interesse am Anderen sind die Grundlagen, um eine warme, affektive Beziehung aufbauen zu können. Die Fähigkeit mit schwierigen Interaktionsprozessen umzugehen und auch Interaktionsstile zu verändern, sind ebenso wichtige Eigenschaften wie Empathie, Feinfühligkeit, Achtung und Respekt gegenüber den Patienten.

Nicht zuletzt wirkt die Anerkennung und Akzeptanz der eigenen Grenzen und authentisches Handeln heilsam in der therapeutischen Beziehung.

Was bewirkt Selbsterfahrung?

Selbsterfahrung fördert Kompetenzen wie Selbsteinsicht, Selbstreflektion und Selbstfürsorge sowie die Entwicklung eines stabilen Selbst. Übertragung, Gegenübertragung und Widerstand sollen durch persönliche Erfahrungen besser erkannt und reflektiert werden.

Selbsterfahrung, insbesondere in der Gruppe, kann ein hilfreiches Mittel sein, interaktionelle Fähigkeiten wie Offenheit, Kontaktfähigkeit, Empathiefähigkeit und nicht zuletzt Methodenkompetenz zu entwickeln.

Unsere Ausbildungsziele

Fachliche Kompetenz, therapeutische Wirksamkeit und die Fähigkeit zur Selbstfürsorge sind unserer Meinung nach wichtige Kompetenzen für Therapeutinnen und Therapeuten – aber auch Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und Professionalität im psychotherapeutischen Handeln und im Umgang mit Patienten.

Charakteristika einer optimalen Lernumgebung

Eine optimale Lernumgebung fördert die Mitarbeit der Ausbildungsteilnehmer, gibt ihnen UnterstĂĽtzung und Struktur. Die Lerninhalte sind so gestaltet, dass sie sowohl Herausforderung darstellen – die stetige Einbeziehung neuester Methoden der Psychotherapie ist uns wichtig – als auch an vorhandenes Wissen anknĂĽpfen. Durch die interaktive Gestaltung der Lehrveranstaltungen wollen wir die Neugier und Aufmerksamkeit unserer Ausbildungskandidaten/innen gleichermaĂźen herausbilden und fördern. Nicht zuletzt wollen wir den Wunsch zu lernen aufrechterhalten durch eine positive Einstellung zu Fehlern. 
Wir sehen "Lehrer" und "Lernende" als eine Einheit. Wir gehen ein StĂĽck des Weges gemeinsam, teilen auf dem Weg der Erkentniss einige Schritte unseres Lebens miteinander.  

Und nun zum Abschluss Søren Kierkegaard´s Gedanken zum Helfen:

"Wenn wir jemandem helfen wollen, müssen wir zunächst herausfinden, wo er steht. Das ist das Geheimnis der Fürsorge. Wenn wir das nicht tun können, ist es eine Illusion zu denken, wir könnten anderen Menschen helfen. Jemandem zu helfen impliziert, dass ich mehr verstehe als er, aber ich muss zunächst verstehen, was er versteht. Tue ich das nicht, so hilft mein größeres Verständnis gar nichts. Will ich trotzdem mein größeres Wissen anbringen, dann deshalb, weil ich eitel oder stolz bin, so dass ich im Grunde, anstatt ihm zu nützen, eigentlich von ihm bewundert werden will.

Alles wahre Helfen beginnt jedoch mit einem Akt der Demut; der Helfer muss sich zuerst unter dem demütigen, dem er helfen will, und dadurch verstehen, dass Helfen nicht herrschen heißt, sondern dienen; dass Helfen nicht heißt, der Herrschsüchtigste sein, sondern der Geduldigste; dass Helfen die Bereitschaft einschließt zu akzeptieren, dass man unrecht haben könnte und dass man nicht versteht, was der Andere versteht."

Literatur:

   • Jaeggi, E., & Riegels, V. (2009) Techniken und Theorie der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie. Klett-Cotta
   • Dagmar Kumbier, Schwierigkeiten einer Identitätsbildung als
     tiefenpsychologische Psychotherapeutin PDP 2008/7:240-249
   • Reddemann, L. (2014).Psychodynamisch Imaginative Trauma Therapie PITT – Das Manual. Klett-Cotta
   • Gerd Rudolf, Vortrag am 10.10.2009 in der
     Psychosomatischen Klinik Bad Grönenbach
   • Anton-Rupert Laireiter, Ulrike Willutzki (Hrsg.): Ausbildung in
     Verhaltenstherapie, Hogrefe Verlag 2005

Lehnen im Abendgarten beide,
lauschen lange nach irgendwo.
"Du hast Hände wie weiße Seide..."
Und da staunt sie: "Du sagst das so..."
 
Etwas ist in den Garten getreten.
und das Gitter hat nicht geknarrt,
und die Rosen in allen Beeten
beben vor seiner Gegenwart.

Rainer Maria Rilke

Herbstgarten
Kreislehrgarten

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